Warum wir uns für Open Source Software entschieden haben?

Als meine Frau Mitte 2014 ihre eigene Physiotherapie-Praxis eröffnete, hatte sie alles gut durchdacht. Der Praxisstandort war ideal, frisch renoviert, die Ausstattung wurde auf den neuesten Stand gebracht, Kassenzulassung erhalten, Patientenstamm, Vertrag mit einem Abrechnungszentrum waren vorhanden und für die Anmeldung wurde jemand halbtags angestellt.

Sehr schnell stellte sich dann heraus das doch etwas fehlte – eine Software für Terminplanung, Patientenverwaltung und Kassenabrechnung.

Da die Kernkompetenzen der Praxisinhaberin mehr im Bereich der Behandlung kranker Menschen liegen, wurde ich beauftragt nach etwas passendem zu suchen („Du kennst Dich doch so gut mit Computern aus….“).

Die ersten Treffer bei der Recherche waren natürlich die Programme, die am Verbreitetsten sind. Aber alle hatten etwas gemeinsam. Sie kosteten relativ viel Geld und/oder waren nach einem Baukastensystem aufgebaut.

Basismodul (Basispreis), Patientenverwaltung (Aufpreis), Terminverwaltung (gegen Aufpreis), Abrechnungsmodul (gegen Aufpreis), Betriebsauswertung (gegen Aufpreis), Daten selber auswerten? (geht leider nicht), Support? Gerne gegen Aufpreis, wenn’s denn sein muss, aber wir werden nicht so gern gestört…

Das alles kam für mich nicht in Frage!

Als ich schon fast aufgegeben hatte, fand ich im Downloadbereich meiner Computerzeitschrift, ein Programm, welches laut Beschreibung genau das leisten konnte, was wir brauchten. Es war seit 2010 in einem großen Rehazentrum im Einsatz, also schien es auch etwas Ordentliches zu sein. Das Beste daran, es war Open Source (übersetzt: “offener, freier Quellcode”) und kostenlos nutzbar.

Was ist das besondere an Open Source Software?

Da, wie gesagt, der Quellcode der Software frei verfügbar ist, kann Jedermann (Programmierkenntnisse vorausgesetzt) die Software so verändern, wie es seinen Bedürfnissen entspricht oder Fehler beseitigen. Somit ist man durch den offenen Code unabhängig. Bei handelsüblichen, kommerziellen Produkten ist man auf den Hersteller angewiesen, da der Nachteil – wenn er es alleine tut, muss er sich auch alleine um die Weiterentwicklung und Updates usw. kümmern, bzw. selber programmieren.

Dies ist nicht der Sinn von Open Source Software! Der Grundgedanke ist, das sich viele Leute an der Weiterentwicklung beteiligen. Sei es durch Programmierkenntnisse oder einfach durch Entwicklung neuer Ideen, testen von neuen Versionen, melden von Fehlern, Support bei der Installation, Hilfe bei der alltäglichen Arbeit mit dem Programm, usw. Jeder kann sich in der Form einbringen, die er am Besten kann!

Bei Thera-π hat sich z.B. eine tolle Community entwickelt. Im Forum bekommt man relativ schnell Hilfe. Wer computertechnisch zwei linke Hände hat, bekommt die Software sogar für kleines Geld fix und fertig installiert und Schulungen angeboten. Durch unsere (durch Spenden finanzierte) Programmiererin, wurde der Code kürzlich auf Vordermann gebracht.

Ein weiterer Aspekt bei Open Source Software, ist die Sicherheit. Bei Open Source Projekten ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass irgendwelche „Hintertüren“ eingebaut sind. Dies würde durch den offenen Quellcode schnell auffallen.

Manche haben vielleicht Vorbehalte gegen Open Source Projekte, da sie meistens, eigentlich immer, klein anfangen. Aus diesen kleinen Projekten haben sich aber mitunter riesige Projekte gebildet. Beste Beispiele hierfür sind das Betriebssystem Linux, der Firefox Browser, OpenOffice/LibreOffice oder MariaDB (Ableger vom ehemals freien MySQL), um nur einige zu nennen. | Text: Chr. Reinke, Physiotherapie Reinke, Nienburg

Vorteil für die Praxis: Die gesparten Lizenzkosten können in sinnvollere Dinge investiert werden.

Keine Angst vor Open Source Software!